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Was sind die besonderen Anforderungen des juristischen Übersetzens?

Wird man an der Universität auf juristisches Übersetzen vorbereitet?

Reicht für die gute Übersetzung von Rechtstexten ein einfaches Übersetzer- oder z.B. Anglistik-Studium aus?

Welche Hilfsmittel gibt es, die dieser besonderen Schwierigkeit des Übersetzens von Rechtstexten Rechnung tragen?

Gibt es auch in der Rechtssprache einen Unterschied zwischen AE und BE? Und was ist mit dem in der EU verwendeten Englisch?



Frage: Was sind die besonderen Anforderungen des juristischen Übersetzens?
Antwort:
Erstens: Volles Verständnis des Ausgangstexts. Zweitens: Bewusstsein der unterschiedlichen Rechtssysteme: in Großbritannien und in den USA sind die Rechtssysteme auf dem Prinzip des Case Law aufgebaut, wohingegen das österreichische und das deutsche Recht - wie praktisch alle kontinentaleuropäischen Rechtssysteme - auf "gesatztem Recht" aufbauen. Das Europäische Recht wiederum stellt in vielen Bereichen eine "Mischung" der beiden Systeme dar. Drittens: Inhaltliche und terminologische Präzision und begriffliche Konsistenz haben bei der Übersetzung Vorrang vor stilistischer oder idiomatischer Eleganz. Viertens - und dies ist besonders wichtig - ist auch das Wissen um die unterschiedliche Interpunktion in der englischen und in der deutschen Sprache – ein Beistrich kann den Sinn bedeutend verändern!

Frage: Wird man an der Universität auf juristisches Übersetzen vorbereitet?
Antwort:
Bis zu einem bestimmten Grad ja, da zur Übersetzerausbildung im Bereich Fachsprachen auch "Recht" bzw. "Recht und Wirtschaft" gehört. Allerdings kann dort das einschlägige Wissen nur angerissen werden, und sehr oft liegt die Problematik beim juristischen Übersetzen nicht so sehr in der Wahl des richtigen Begriffs, sondern im fehlenden Verständnis der unterschiedlichen Rechtssysteme und Hintergründe.

Frage: Reicht für die gute Übersetzung von Rechtstexten ein einfaches Übersetzer- oder z.B. Anglistik-Studium aus?
Antwort:
Nein, da es eine eigene englische Rechtssprache gibt, die man in einem einsemestrigen Kurs nicht ausreichend vermitteln kann. Dieses Legalese wird durch besondere Formulierungen gekennzeichnet, die zT aus den unterschiedlichen Rechtssystemen herrühren. Zum Beispiel wird für "alle" im Englischen oft "any and all" verwendet, oder wird "jeder" mit "each and every" wiedergegeben. Wo der deutschsprachige Jurist die Gegenwart verwendet, spricht der englische Native von "shall".

Frage: Welche Hilfsmittel gibt es, die dieser besonderen Schwierigkeit des Übersetzens von Rechtstexten Rechnung tragen?
Antwort:
Es gibt am Markt diverse Wörterbücher für juristische Fachsprachen, wo man sehr oft für einen Begriff in der Ausgangssprache nicht nur einen einzigen Begriff in der Zielsprache findet, sondern eine prägnante Erklärung des Begriffs mitgeliefert bekommt. Und natürlich gibt es ausreichend ein- und zweisprachige Fachbücher zu kaufen. Oft hilft auch eine intensive Recherche im Internet weiter. Sehr hilfreich ist es natürlich auch, direkt mit praktizierenden Juristen Rücksprache halten zu können.

Frage: Gibt es auch in der Rechtssprache einen Unterschied zwischen AE und BE? Und was ist mit dem in der EU verwendeten Englisch?
Antwort:
Es stimmt, Englisch ist nicht Englisch. Einerseits muss man sehr wohl terminologisch als auch inhaltlich zwischen amerikanischem und britischem Englisch unterscheiden. Andererseits gibt es natürlich in Europa als Folge der EU-Gesetzgebung eine Tendenz zur sprachlichen Vereinheitlichung, so dass bei einer Vielzahl von Übersetzungen zuallererst die entsprechende mehrsprachige EU-Literatur zu studieren und dann terminologisch zu berücksichtigen ist.